{ laboratorium für geschichte }

laboratorium für geschichte

Welche Bedeutung? Elche Deutung! Das Frankfurter caricatura Museum für Komische Kunst als Symbol für ein neues Kunst- und Museumsverständnis

Experimente | | von Johanna Müser

  1. Abbildung 1: Elch-Statue vor dem Museum.

Elch 1

  1. Siehe unter anderem Stefan Behr, "Weltherrschaft der Witze", in: Frankfurter Rundschau, 2./3. Oktober 2008 (Institut für Stadtgeschichte, S3/N 15.754)s.

Das schönste Museum der Welt? Für Achim Frenz ist dies ganz klar das Museum für Komische Kunst. Die Frage nach seinen nächsten Zielen als caricatura-Museumsleiter pflegt der vergnügt blickende Lockenkopf in Interviews bescheiden mit dem Ausruf "Weltherrschaft" zu beantworten.2 Als Verantwortlicher für die Repräsentation einer Kunst, über die zwar gelacht werden darf, die aber im Kulturbereich zuweilen nur belächelt wird, muss er sich ambitioniert zeigen.

Hochkunst vs. Hochkomik

  1. Christian Maintz, "Zur Geschichte der Elchkritik. Institutionen der Hochkomik: die Neue Frankfurter Schule", in: Friedrich Block/Rolf Lohse (Hg.), Wandel und Institution des Komischen. Ergebnisse des Kasseler Komik-Kolloquiums, Bielefeld 2013, S. 231–256, hier S. 232.
  2. Gerd Unverfehrt, "Karikatur – Zur Geschichte eines Begriffs", in: Gerhard Langemeyer/Gerd Unverfehrt/Herwig Guratzsch/Christoph Stölzl (Hg.), Mittel und Motive der Karikatur in fünf Jahrhunderten. Bild als Waffe, München 1984, S. 345–354, hier S. 345.
  3. Werner Hofmann, "Worum es in dieser Ausstellung geht", in: ders./Werner Nekes/Jutta Pichler (Hg.), Ich trau meinen Augen nicht: Streifzüge durch 400 Jahre Karikatur und Bildsatire. Mit Werken aus der Sammlung Werner Nekes, Pölten 2011, S. 8–13, hier S. 8.
  4. Achim Frenz, persönliches Interview vom 11. Dezember 2013.
  5. Hofmann, Worum es in dieser Ausstellung geht, S. 8.
  6. Robert Gernhardt, Der letzte Zeichner. Aufsätze zu Kunst und Karikatur, Zürich 1999, S. 176.
  7. Friedrich Block, "Einleitung", in: Block/Lohse, Wandel und Institution des Komischen, S. 7–20, hier S. 8.

Der künstlerische Wert der Komik wird oft verkannt und im deutschen Kulturverständnis nicht selten als trivial abgetan.3 Missachtet werden auch die verschiedenen Spielarten der komischen Zeichnung: Sie umfasst Bildsatire, Cartoons, Comic Strips und verzerrte Portraits.4 Im alltäglichen Sprachgebrauch verschwimmen diese Gattungen zum unscharfen Begriff "Karikatur", welche als alltägliche "Konsumkunst"5 nur in der Politiksparte der Zeitung Beachtung zu finden scheint. Achim Frenz widerspricht einer solchen Darstellung jedoch entschieden. Er sieht in der komischen Kunst ganz im Gegenteil "die einzig wahre Kunst", da die Hochkunst manche Sachverhalte nicht auf den Punkt bringe: Komische Kunst "hält den Menschen der Gesellschaft den Spiegel vor".6 Gleichzeitig weist sie gegenüber der Hochkunst einen weiteren Vorteil auf: Durch ihre Außenseiterposition muss die Karikatur keine Geschmacksnormen oder stilistische Gebote beachten.7 Auf diese Weise wurde sie sogar Vorreiterin der Abstraktion und des Expressionismus.8 Begriffe wie "Avantgarde des Komischen", "Hochkomik" oder eben "komische Kunst" unterwandern weiter das vorgeblich gegensätzliche Begriffspaar "Komik" und "Kunst".9 Wie fügt sich nun das caricatura Museum in diese Welt ein?

Die Neue Frankfurter Schule

  1. Maintz, Zur Geschichte der Elchkritik, S. 231f.
  2. Hilmar Hoffmann, Das Frankfurter Museumsufer, Frankfurt/Main 2009, S. 19.
  3. jge, "Stadt sichert sich das Erbe der Satiriker", in: Frankfurter Neue Post, 10. Februar 2005 (Institut für Stadtgeschichte, S3/N 15.754).

Die vielleicht bekanntesten deutschen Vertreter der Hochkomik vereinigt die Neue Frankfurter Schule. Die gezeichneten Werke der Künstlergruppe bilden das Herzstück des caricatura-Museumsbestands. Alle zugehörigen Künstler veröffentlichten seit den 1960er Jahren komische Kunst in den Frankfurter Satiremagazinen Pardon und Titanic. In der konkreten Umsetzung zeigte sich hierbei allerdings eine große Gattungs- und Genre-Bandbreite, die von Zeichnungen bis zu Literatur reichte.10 Als Namenspatron diente der Gruppierung die Frankfurter Schule um die Philosophen Max Horkheimer und Theodor Adorno, welche mit ihren Theorien großen Einfluss auf Denkströmungen der frühen Bundesrepublik ausübten.11 Gleich dieser Frankfurter Schule äußerten auch die komischen Künstler in ihren Werken Gesellschaftskritik.12 Wenn daher Achim Frenz die Weltherrschaft für die komische Kunst anstrebt, dann zweifellos auch deshalb, weil bereits die Neue Frankfurter Schule durch ihre scherzhafte Selbstbenennung schon Anspruch auf deutschlandweiten Einfluss erhoben hatte.

Die Kritik der Elche

  1. Achim Frenz, persönliches Interview vom 11. Dezember 2013.
  2. Künstlername, eigentlich Fritz Weigle.
  3. Michael Hierholzer, "Der erste Schritt zur Weltherrschaft", in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 1. Oktober 2008 (Institut für Stadtgeschichte, S3/N 15.754).

Zurück in der Gegenwart versichert Achim Frenz, mit Kritik aus der Gesellschaft habe das Museum keine Probleme. "Wir sind ein kritisches Museum, also kann man uns ebenfalls kritisieren – aber bis jetzt haben wir alles richtig gemacht."13 Möglicherweise liegt in diesem Selbstbewusstsein gegenüber Kritik ein Grund für das gewählte Museumsmaskottchen: ein Elch. F. W. Bernstein,14 Mitglied der Neuen Frankfurter Schule, prägte in den 1960er Jahren den Zweizeiler "Die größten Kritiker der Elche / waren früher selber welche". Nachdem Hans Traxler, ein weiteres Mitglied der Künstlergruppe, diese als eben solche Elche zeichnete, wurde das Tier mit den großen Geweihschaufeln zu ihrem Symbol. Das caricatura Museum hat sich den Sinnspruch zum Leitmotiv erkoren und so wurde bei der Eröffnungsveranstaltung am 1. Oktober 2008 eine von Traxler entworfene Elchstatue vor dem Eingang enthüllt.15 Nach nicht einmal sechs Jahren ist das Geweih der Bronzestatue schon blank gerieben von den vielen Besucherhänden, die ihr gegenüber im Laufe der Zeit ihre Zuneigung zum Ausdruck gebracht haben. Ganz offensichtlich gefällt den Frankfurtern ihr neues Museum. Doch auch im Bereich der Hochkultur, deren Vertreter früher über komische Kunst die Nase zu rümpfen pflegten, konnte sich das caricatura Museum etablieren.

So drängt sich die Frage auf, auf welche Weise sich das Museum in so kurzer Zeit in bestehende Strukturen eingefügt hat. Da sich das caricatura Museum nicht nur als Kunst-, sondern auch als Satiremuseum versteht, wird in diesem Aufsatz nicht nur die Präsentation, sondern auch die Repräsentation der komischen Kunst Beachtung finden. Wenn die dargestellte Situation in einer komischen Zeichnung durch Aktualitätsverlust nicht mehr zum Lachen anreizt, hat sie einen entscheidenden Teil ihres Wesens verloren. Besonderes Augenmerk liegt daher auch auf der Frage, wie und in welchem Maße Karikaturen in einem Museum ihre Aktualität bewahren und dennoch zeitgleich zur Kunst ernannt werden können.

Gedankenflug im Kunstmuseum?

  1. James Sheehan, Geschichte der deutschen Kunstmuseen. Von der fürstlichen Schatzkammer zur modernen Sammlung, München 2002, S. 11.
  2. Edward Alexander/Mary Alexander, Museum in Motion. An Introduction to the History and Function of Museums, Lanham 2008.
  3. Ebd., S. 257f.

Im Allgemeinen lassen sich die Aufgaben eines Kunstmuseums zu zwei großen Themenfeldern verdichten: Kunstmuseen sind Hüter von Kunstschätzen und Schöpfer künstlerischen Werts.16 Durch die Aufnahme in ihre Sammlung bestätigen sie erst die künstlerische Bedeutsamkeit eines Werkes. Hierbei wählen sie Kunstwerke, die sie für die Menschheit als sinnstiftend und lehrreich erachten.17 Auch wenn Kunstmuseen durch das Ausstellen von Gemälden diesen erst Gewichtigkeit verleihen und somit eine Interpretation vornehmen, kommt es erst dann bei den Besuchern zu einem Erkenntnisprozess, wenn sie die präsentierte Auswahl als Anregung und nicht als Anleitung begreifen:18 Die Sammlungsauswahl darf nicht als die einzig richtige angesehen werden.

  1. Ich betone bewusst "Kunstmuseen", da Karikaturen als geschichtliche Quellen sehr wohl in Historischen Museen zu finden sind.
  2. Maintz, Zur Geschichte der Elchkritik, S. 251f.
  3. Anke te Heesen, Theorien des Museums. Zur Einführung, Hamburg 2012, S. 15.

Die Realität sieht aber häufig anders aus. Da Karikaturen in Kunstmuseen19 seit jeher unterrepräsentiert sind, hat sich die bereits aufgezeigte Kluft zwischen Hochkunst und Komik noch verstärkt, wird doch auf institutioneller Ebene demonstriert, dass Karikaturen keine wertvolle, aufbewahrungswürdige Kunst darstellten. Das caricatura Museum beweist daher mit seiner Sammlung, die allein aus komischen Zeichnungen besteht, dass auch diese ausstellungswürdig sind.20 Der Trend, auch für bisherige kulturelle Nischen Museen zu errichten, um hierdurch das allgemeine Verständnis von Kultur zu verändern, ist neu. Trotz der innovativen Treibkraft solcher subkultureller Museen wird die Vorstellung der meisten Besucher aber immer noch vom sogenannten "musealen Piedestaldenken" bestimmt:21 Der Museumsausflug lädt nicht zum Gedankenflug ein, sondern endet – wie der Betrachter selbst – vor dem Bild, in das er sich nicht hineinzuversenken gedenkt. Die Ehrfurcht hemmt vor einer näheren Beschäftigung mit dem Ausstellungsgegenstand.

Die Entwicklung der deutschen Museumslandschaft bis zum caricatura

  1. Gernhardt, Der letzte Zeichner, S. 131.

Die Art, wie Museen gestaltet sind und wahrgenommen werden, ist auch ihrer Herkunft geschuldet. Vielfach waren die Ausstellungsstücke nicht von vornherein für die breite Öffentlichkeit zugänglich. Robert Gernhardt, vermutlich das bekannteste Mitglied der Neuen Frankfurter Schule, schrieb einmal: "Wann immer ich wo auch immer ein mir noch unbekanntes Kunstmuseum betrete, stets tue ich das mit einem Gefühl der Spannung und des Staunens: Was mag mich da alles erwarten? Und: Dass da alles auf mich wartet!"22

  1. Sheehan, Geschichte der deutschen Kunstmuseen, S. 39.
  2. Ebd., S. 42.
  3. Hier und im Folgenden Ebd., S. 38.
  4. Hoffmann, Das Museumsufer, S. 55.

Tatsächlich ist die Existenz von Kunstmuseen ist nicht selten einer frühneuzeitlichen Fürstenschatzkammer zu verdanken. Das, was "da alles auf [den Besucher] wartet"“, waren also häufig zunächst einmal Besitztümer eines Fürsten. In der Renaissance gehörten Sammlungen als essentieller Teil zum höfischen Leben, da sie im Rahmen der zeremoniellen Zurschaustellung Prestige verhießen, Bildung und Geschmack demonstrierten und dem Fürsten gleichzeitig eine Rückzugsmöglichkeit zur Entspannung ließen.23 Diese Sammlungen beinhalteten zunächst vor allem materielle Werte wie edle Stoffe, Gold und Juwelen. Als jedoch die Gesellschaft begann, Kunst als Medium mit intellektueller und moralischer Wirkung zu betrachten, füllten sich die Fürstenkammern, deren Türen sich nun im 18. Jahrhundert auch für das Bürgertum öffneten,24 mit Gemälden.25 Jene Museen, die im Laufe des 19. Jahrhunderts aus Kunstkammern hervorgegangen waren, knüpften schließlich auch an die Art und Weise an, wie diese zuvor Objekte ausgestellt und angeordnet hatten. Da Karikaturen nicht als geeignetes Mittel galten, Menschen ästhetisch zu erziehen, fanden sie sich auch nicht in den Museen. Die Bürger der freien Reichsstadt Frankfurt konnten allerdings nicht auf fürstliche Besitztümer zurückgreifen, um ihre Museumsräume zu füllen. Es bedurfte der Initiative einzelner Bürger, die Nachlässe, Sammlungen oder Einzelstücke der Öffentlichkeit übereigneten. So wurde auch das 1815 gegründete Städel zur ersten autonomen Museumsstiftung in Deutschland.26 Eine solch museumsinteressierte wie aufgeschlossene Öffentlichkeit existiert noch heute in Frankfurt. Für die Gründung des caricatura Museums 185 Jahre später bedurfte es jedoch der Zusammenarbeit von Kommunalpolitik und Öffentlichkeit.

  1. Achim Frenz, persönliches Interview vom 11. Dezember 2013.
  2. Konstanze Crüwell, "Geld und Gelächter", in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10. Dezember 2005 (Institut für Stadtgeschichte, S3/N 15.754).
  3. Frenz hatte bereits 1986 in Kassel eine caricatura Gallerie für Komische Kunst gegründet, die bis heute besteht und teilweise mit dem Frankfurter caricatura Museum gemeinsame Projekte gestaltet.
  4. Achim Frenz, persönliches Interview vom 11. Dezember 2013.
  5. Crüwell, Geld und Gelächter.
  6. Künstlername, als Abkürzung für Friedrich Karl Waechter.
  7. Claus-Jürgen Göpfert, "Hirsch an die Leine", Frankfurter Rundschau, 18. Dezember 2007 (Institut für Stadtgeschichte, S3/N 15.754).
  8. Achim Frenz, persönliches Interview vom 11. Dezember 2013.

Die komische Zeichnung mag in der Kunstszene einen schweren Stand haben, doch erreicht sie in der breiten Masse eine ungeschlagene Beliebtheit. Achim Frenz' zufolge sind Cartoons sogar das Erste, wonach beim Kauf der Zeitung geblättert wird.27 Auch haben Privatsammler mittlerweile die Neue Frankfurter Schule für sich entdeckt und die Preise von Originalzeichnungen in die Höhe getrieben.28 Angesichts dieser Begeisterung ist es verwunderlich, dass erst vor wenigen Jahren der erste Versuch unternommen wurde, ein Museum für Komische Kunst in Frankfurt zu gründen. Geschehen ist dies schließlich auf Initiative des damaligen Frankfurter Kulturdezernenten Hans-Bernd Nordhoffs hin, der den satireerfahrenen Achim Frenz im Jahr 2000 damit beauftragte, ein solches Museum aufzubauen.29 Acht Jahre währte die Erarbeitungsphase, bis das Museum für Komische Kunst schließlich eröffnet werden konnte. In dieser Zeit kaufte Frenz den Karikaturenbestand ein und veranstaltete als Leiter der Abteilung caricatura im Historischen Museum Ausstellungen, "um die Stadtgesellschaft"“, wie er es ausdrückt, auf das kommende Museum "vorzubereiten".30 Der Bestand wurde besonders durch den Ankauf von etwa 5.000 Zeichnungen aus dem Besitz der Neuen-Frankfurter-Schule-Mitglieder F. W. Bernstein, Robert Gerhardt, Chlodwig Poth und Hans Traxler bereichert, die die Stadt den Künstlern oder ihren Erben für eine Summe von knapp 1,5 Millionen Euro abkaufte.31 Nur der Nachlass F.K. Waechters32 ging nach einer Entscheidung seiner Erben an das Deutsche Museum für Karikatur und Zeichenkunst Wilhelm Busch.33 Schließlich zog das caricatura Museum in das sogenannte Leinwandhaus, aber noch heute befindet sich das Museum für Komische Kunst unter dem Dachverband des Historischen Museums. Dies erleichtert organisatorische Abläufe: Aufgrund der beengten Räumlichkeiten im Leinwandhaus befindet sich zum Beispiel das caricatura Depot im Historischen Museum. – Zumindest so lange bis das Museum für Komische Kunst den nahegelegenen Dom und Kindergarten wegen fehlenden Bedarfs für die Lagerung benutzen darf, scherzt Achim Frenz.34

Gebäudewahl und Identitätsfindung

  1. Claus-Jürgen Göpfert, "Satire kommt ins Leinwandhaus", in: Frankfurter Rundschau, 20. Juli 2006 (Institut für Stadtgeschichte, S3/N 15.754).

Dem Platzmangel ist es zumindest teilweise auch geschuldet, dass das caricatura Museum in den eigenen Räumlichkeiten keine historischen Karikaturen ausstellt. Dies war indes nicht immer so geplant. Nordhoffs Nachfolger als Kulturdezernent, Felix Semmelroth, ersann für das entstehende Museum ursprünglich den Namen Deutsches Karikaturenmuseum.35 Hier sollten Satiriker des 19. Jahrhunderts ebenso berücksichtigt werden wie die Neue Frankfurter Schule. Wechselbeziehungen und künstlerische Zusammenhänge sollten aufgezeigt und historisch gerahmt werden. Semmelroth war es auch, der dem caricatura Museum seinen Standort im Leinwandhaus zuwies.

  1. Abbildung 2: Außenansicht des Museums.

Aussenansicht 36

  1. Georg Hartmann/Fried Lübbecke, Alt-Frankfurt. Ein Vermächtnis, Glashütte (Taunus) 1971, S. 162.
  2. Lore Kämper, "eine Heimat für die Elche", in: Wochendienst des Presse- und Informationsamts Stadt Frankfurt am Main, 5.12.2006 (Institut für Stadtgeschichte, S3/N 15.754).
  3. Hoffmann, Das Frankfurter Museumsufer, S. 122.

Der Ort, an dem sich das caricatura Museum, als Ableger des Historischen Museums, niedergelassen hat, ist selbst ein geschichtsträchtiger Ort. Als ältester, noch bestehender Profanbau Frankfurts wurde das Leinwandhaus 1339 einstmals als Ort für die Prüfung und Verzollung der zu Messen gelieferten Leinwände erbaut – noch heute erinnert eine an der Außenwand angebrachte Nachbildung der eisernen Frankfurter Elle an diesen ursprünglichen Verwendungszweck. Zwischenzeitlich war in dem Gebäude auch die Stadtschreiberei und das Schuldgefängnis untergebracht,37 ehe es als Lazarett französische Soldaten beherbergte, später als Schwurgericht diente und dann als Schlachthaus genutzt wurde.38 Von 1893 bis 1843 hatte das Gebäude sogar schon einmal als Außenstelle des Historischen Museums gedient.39 Nach seiner Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wurde es 1982 als eines der letzten Häuser wieder rekonstruiert und steht nun unter Denkmalschutz. Bevor man sich aber für das Leinwandhaus als Standort des caricaturas entschied, war zunächst der Einzug in ein Haus in der Braubachgasse geplant worden. Die Kulturmeile Braubach ist ein städtisches Projekt, bei dem die Innenstadtstraße durch verschiedene Baumaßnahmen, wie beispielsweise verbreiterte Bürgersteige, attraktiver gestaltet wurde, um Galerien und entsprechend auch Kunstinteressierte anzulocken. Es scheint paradox, dass das caricatura Museum als modernes, neues Museum ohne eigene Bezüge zur Vergangenheit vor dem 20. Jahrhundert, mit dem Leinwandhaus in ein derart geschichtsträchtiges Gebäude gezogen ist, statt sich die Atmosphäre eines Künstlerviertels als Eigenwerbung nutzbar zu machen. Der Entschluss kam von oben, zu einem Zeitpunkt, als noch ein generelles Karikaturenmuseum zur Debatte stand. Stattdessen entschied man sich für den Standort und gegen das Museumskonzept.

  1. Abbildung 3: Der Aufgang ins erste Stockwerk fungiert be iBedarf als Bühne.
  2. So stellt zum Beispiel die caricatura Galerie in Kassel vor allem Werke von jüngeren komischen Künstlern aus, um ihren Bekanntheitsgrad zu steigern und sie dadurch zu fördern.
  3. Achim Frenz, persönliches Interview vom 11. Dezember 2013.

Abbildung3 40 Statt Kunst nur zu exponieren und sie einer Galerie gleich sichtbar zu machen,41 möchte das caricatura Museum nämlich das Entstehungsumfeld der ausgestellten Werke verdeutlichen. Durch den Namen "caricatura Museum für Komische Kunst" werden die ausgestellten Bildsatiren nicht nur ausdrücklich zur Kunst erhoben, sondern auch zu wegweisenden Meisterwerken ernannt, die kunsthistorische Relevanz besitzen. Der Standort in einem altehrwürdigen Bauwerk scheint subtil die Legitimationsansprüche von Komik als Kunst zu untermauern. Ganz offenbar versteht sich das caricatura Museum trotz der zeitlichen Begrenzung eindeutig als Museum mit Lehrauftrag. Achim Frenz weiß das historische Gebäude aber auch noch aus einem anderen Grund zu schätzen. "„Es ist schön, es sieht super aus, es hat seine Mauern. Ich hab' Schießscharten und kann immer genau gucken, wo sind die Feinde?!"42 Das klingt nach Krieg – ein rhetorisches Stilmittel von Frenz, um die Underdog-Position der Karikatur zu verdeutlichen.

Die Karikatur im Wandel der Zeit

  1. Klaus Zehrer, "Von der Aufklärungssatire zum Nonsens. Wie und warum die Neue Frankfurter Schule die bundesrepublikanische Komik auffrischte", in: Block/Lohse, Wandel und Institution des Komischen, S. 199–208, hier S. 199.
  2. Hier und im Folgenden Werner Busch, Das sentimentalische Bild. Die Krise der Kunst im 18. Jahrhundert und die Geburt der Moderne, München 1993, S. 457-459.
  3. Gernhardt, Der letzte Zeichner, S. 166.
  4. Ebd., S. 176.
  5. Ebd., S. 167.
  6. Gernhardt, Der letzte Zeichner, S. 176.
  7. Achim Frenz, persönliches Interview vom 11. Dezember 2013.

In Frankfurt findest sich kaum ein besseres Beispiel für den Wandel der Zeit als das Leinwandhaus mit seiner Vielzahl an Verwendungszwecken. Auch die Komik ist veränderlich: Sie entsteht immer erst im Kopf des Betrachters. Somit wird Lachen kulturgeschichtlich relevant.43 Auch die Karikatur durchlief im Laufe der Geschichte einen Wandlungsprozess. Ursprünglich beschrieb die "caricatura" ein verzerrtes Individualportrait. Diese Urform der Karikatur, die auch heute noch bekannt ist, entstand 1590 in Italien als intellektuelles Privatvergnügen und künstlerische Fingerübung. Als Gegensatz zur idealisierenden Klassik wurden hier Mängel der Natur nicht korrigiert, sondern vielmehr verstärkt.44 Nachdem reiche und gebildete englische Amateure auf ihrer grand tour mit der italienischen Karikatur in Kontakt kamen, verbanden sie sie mit der szenischen Bildsatire für tagespolitische Zwecke. Ihre Existenz wurde erst durch eine politische und gesellschaftliche Öffentlichkeit möglich, wie sie sich im 18. Jahrhundert unter der konstitutionellen Monarchie gebildet hatte. Allerdings wurde die Karikatur nicht überall akzeptiert. Zur Royal Academy hatten Karikaturisten keinen Zutritt, denn sie wurden nicht als Künstler betrachtet. Während die Hochkultur allein in Allegorien tagesaktuelle Themen kommentierte, sprach die Bildsatire diese explizit an. Aus diesem Grund brachte die Märzrevolution 1848 die Karikatur schließlich auch den Deutschen näher. Nach der Etablierung der Pressefreiheit als bürgerliches Grundrecht brach ein regelrechtes "Karikaturenfieber" unter den Deutschen aus. Dieses machte sich am stärksten in Frankfurt bemerkbar, wo gewählte Volksvertreter in der Paulskirche über die Verfassung eines Einheitsstaates berieten.45 Die 34 Karikaturenverlage in Frankfurt und Umgebung zeichneten damals für etwa ein Drittel der deutschen Karikaturenproduktion verantwortlich.46 Allerdings kam 1849 mit dem Ende der Märzrevolution der Großteil der Karikaturenarbeiten zum Erliegen.47 Nur ein verstaubter Bestand 1848er-Karikaturen im Historischen Museum und dem Institut für Stadtgeschichte erinnert heute noch an diese Glanzzeit der Frankfurter Karikatur im 19. Jahrhundert.48 So musste die Neue Frankfurter Schule im 20. Jahrhundert die "Hauptstadt der Satire",49 wie Achim Frenz Frankfurt gerne nennt, erst wieder mit der Karikatur anfreunden.

Die Monthy Pythons Deutschlands

  1. Zehrer, Von der Aufklärungssatire zum Nonsens, S. 204.
  2. Ebd., S. 205.
  3. Achim Frenz, persönliches Interview vom 11. Dezember 2013.
  4. Zehrer, Von der Aufklärungssatire zum Nonsens, S. 206.
  5. Maintz, Zur Geschichte der Elchkritik, S. 235.
  6. Zehrer, Von der Aufklärungssatire zum Nonsens, S. 206.

Und so erscheint die Frankfurter Satirezeitschrift Pardon auch wie ein Befreiungsschlag. Das Blatt, das 1962 erstmals erschien, enthielt zwar größtenteils ernsthafte oder nur leicht satirische politische Beiträge, bot aber mit der fest eingeplanten Doppelseite Welt im Spiegel den Beiträgen der Neuen Frankfurter Schule in Wort und Bild Raum.50 Die Distanz zur klassischen Politsatire mit verstärktem Humoranteil und geringerer Kritik galt in den 1960ern als Novum in der bundesrepublikanischen Humorlandschaft.51 Achim Frenz nennt die Neue Frankfurter Schule deswegen mit einem verschmitzten Lächeln "Die Monthy Pythons Deutschlands".52 Ihr moderner Nonsens folgte der Prämisse, dass Kunst die Welt zwar nicht ändern, ein Perspektivenwechsel aus ihr aber dennoch eine ganz andere machen könne.53 Diese Auffassung von komischer Kunst wird stilprägend. Mehr als fünfzig Jahre liegen seit der ersten Pardon-Ausgabe zurück, aber dennoch funktioniert die moderne Komik immer noch nach dem gleichen Prinzip. Ganz frei von Auseinandersetzungen blieb sie allerdings nicht: Nach redaktionellen Konflikten mit dem Pardon-Verleger Hans Nikel gründete die Neue Frankfurter Schule das Satiremagazin Titanic, welches bis zum heutigen Tag vom Geist ihrer Gründer beseelt ist.54 Die Neue Frankfurter Schule besaß ganz offenbar ausreichend Formgefühl und Voraussicht, um einen Stil zu entwickeln, der nach so vielen Jahren noch immer den Zeitgeist trifft.55

  1. Abbildung 4: Blick in die Dauerausstellung im ersten Stockwerk.

Dauerausstellung 56

  1. Gernhardt, Der letzte Zeichner, S. 131.
  2. Maintz, Zur Geschichte der Elchkritik, S. 231.
  3. Ebd., S. 232.
  4. Achim Frenz, persönliches Interview vom 11. Dezember 2013.
  5. te Heesen, Theorien des Museums, S. 190.
  6. Achim Frenz, persönliches Interview vom 11. Dezember 2013.
  7. Maintz, Zur Geschichte der Elchkritik, S. 237.

Robert Gernhardt wusste noch nicht, dass er mit seinen Arbeiten einmal selbst den Grundstein zu einem Museum legen würde, als er schrieb, dass das Stiften eines Museums in etwa so sei, wie eine Katze zu schenken: "Es spendet rasche Freude und delegiert langanhaltende Verantwortung."57 Als Museum, das sich der Neuen Frankfurter Schule widmet, fungiert das caricatura Museum gleichzeitig als "Indikator und Instrument in der Reputation" der Künstlergruppe.58 Die Existenz des caricatura beweist die Bekanntheit des Kollektivs. Ihr jetziger Bekanntheitsgrad mag sogar einen Wandel in der öffentlichen Wahrnehmung der komischen Künste darstellen.59 Dieser Paradigmenwechsel erfolgte vor allem durch ihre gute Öffentlichkeitsarbeit, zu der das caricatura Museum durch seine Existenz beiträgt. Ziel des Museums ist es aber auch, die Relevanz der Neuen Frankfurter Schule heute und auch für zukünftige Generationen aufrechtzuerhalten. Wenn Komik sich durch Begleitumstände ändert, so ist kein Verlass darauf, dass der Humor der Neuen Frankfurter Schule nicht auch mit der Zeit seinen Biss verlieren wird. Somit kann das Museum für komische Kunst genauso schnell Teil eines historischen Verfallsprozesses werden. Achim Frenz hält dies allerdings für unwahrscheinlich. Er ist sich sicher: "Robert Gernhardt wird auch noch in tausend Jahren aktuell und witzig sein."60 Die momentanen Umstände scheinen ihm Recht zu geben. Geistige Schüler für die Wechselausstellungen gibt es viele, denn die meisten komischen Künstler sind von der Neuen Frankfurter Schule inspiriert. Ein jedes Museum muss aber seinen Weg zwischen Geschichte und Zukunft ausloten, um das eine zu vermitteln und das andere aus der Wiege zu heben.61 Noch sind die Altmeister der Neuen Frankfurter Schule, sofern sie noch leben, aktiv. Noch stehen sowohl die Titanic als auch die taz in ihrem komischen Erbe. Ein wenig Sorge um die Zukunft lässt sich bei Achim Frenz aber dann doch erkennen: "Wir glauben dass [die komische Kunst] immer mehr ausstirbt, so wie die Zeitung auch ausstirbt und dass wir ein bisschen darauf achten müssen, dass das Genre nicht auch untergeht."62 Deshalb wird schon jetzt zusammen mit der caricatura Galerie in Kassel durch die Akademie für Komische Kunst zur Nachwuchsförderung eine neue Generation an die Neue Frankfurter Schule herangeführt. Ein Schritt, der sowohl den Jungkünstlern als auch dem Erbe der Neuen Frankfurter Schule zum Nutzen gereicht. Die einstige ironische Selbstbezeichnung "Schule" ist Wirklichkeit geworden.63

Der Museumsbesucher, das (un)bekannte Wesen

  1. Hier und im Folgenden Achim Frenz, persönliches Interview vom 11. Dezember 2013.

Damit ein Museum als Museum gelten kann, bedarf es Objekte, die es zeigen kann, und Besucher, die sich diese Objekte anschauen. Die letztgenannte Gruppe erhält ihre Bedeutung also nicht nur aufgrund finanzieller Aspekte – als Lieferant von Eintrittsgeldern –, sondern ist konstitutiv für das Selbstverständnis eines Museums. Die Besucher des caricatura Museums sind häufig über 50 Jahre alt und haben die Neue Frankfurter Schule in ihrer Jugend durch die Satirezeitschriften Pardon und Titanic kennen gelernt. Auch aus diesem Grund hält Achim Frenz den Dialog mit Besuchern für außerordentlich wichtig. "Viele, die siebzig, achtzig sind, kommen ins Museum und erzählen, dass Pardon ihr Leben verändert hat. Sie haben auf dem Dorf dort eine Welt entdeckt, die sie nicht kannten. Sie sind ermuntert worden, ihr Leben selbst zu bedenken und zu organisieren. Die Zeichner der N[euen] F[rankfurter] S[chule] haben sie dazu befähigt, ihr Leben zu verändern und das geben sie dem Museum auch zurück. Von daher haben wir hier eine wichtige Aufgabe erfüllt."64 Aber natürlich wird dieses Publikum, das eigene persönliche Erfahrungen mit der Neuen Frankfurter Schule verbindet, nicht jünger. Daher muss sich das Museum für Komische Kunst auch einen anderen Besucherstamm erschließen. Dies sieht Achim Frenz genauso: "Ziel ist es, einen Besucherstamm zu erziehen, die kommen, ohne dass sie die Zeichner wirklich kennen. Dass sie sagen, da gehen wir jetzt hin, denn das ist immer eine gute Ausstellung. – Das lohnt sich immer."

Ein Museum zwischen Präsentation und Repräsentation

  1. Brian O’Doherty, In der weißen Zelle. Inside the White Cube, Berlin 1996, S. 10.
  2. Ebd.
  3. te Heesen, Theorien des Museums, S. 184.
  4. Achim Frenz, "Seit einem Jahr auf der Welt. caricatura museum frankfurt", in: Historisches Museum Frankfurt (Hg.), Aura, Jahresgabe 2009/2010, S. 16–17, hier 16.
  5. Hier und im Folgenden Achim Frenz, persönliches Interview vom 11. Dezember 2013.

Einen dementsprechend hohen Stellenwert hat die Gestaltung der Wechselausstellungen im caricatura Museum, die im Hause selbst konzipiert werden. Wenn der Besucher das Erdgeschoss des Leinwandhauses betritt, umfangen ihn dunkle Wände, von denen sich die meist farbenfrohen Bilder besonders deutlich absetzen. Das Museum für komische Kunst ist alles andere als eine "weiße Zelle", wie die schattenlosen, weißen Räume vieler Galerien bezeichnet werden.65 Der caricatura-Ausstellungsraum ist nicht nur der "Technologie des Ästhetischen"66 gewidmet, sondern strahlt ebenso Behaglichkeit und Wärme aus. Die Wände werden nicht, wie für das Prinzip der Weißen Zelle gefordert, Teil der Kunst. Außerdem sind sie frei beweglich: Finden Lesungen oder Vorträge im Museum statt, kann das Erdgeschoss in einen großen Raum mit Bühne verwandelt werden. In diesem Aspekt entspricht der Ausstellungsraum einer anderen Definition der Weißen Zelle: Der Raum ist im wahrsten Sinne des Wortes fließend und immer wieder neu bespielbar.67 Allerdings wird durch das mobile Ausstellungssystem Kunst, im Gegensatz zur Grundvoraussetzung der Weißen Zelle, erst durch die Abwesenheit von Wänden möglich. Die Stellwände erlauben zudem nur eine feste Anzahl von Verschiebungsmöglichkeiten, sodass der Raum im Ausstellungsalltag meist ähnlich aufgebaut ist und nur der Ausstellung entsprechend die Bilder wechseln. Ein Stockwerk höher erwartet den Besucher die Dauerausstellung mit etwa 150 Originalen der Neuen Frankfurter Schule.68 Doch von langer Dauer ist auch diese im Grunde nicht, da auch hier die Bilder aus konservatorischen Gründen alle drei bis vier Monate ausgewechselt werden. Dies erzwingt und ermöglicht immer wieder aktuelle Beiträge. Generell lässt sich bei der Bildhängung ein festes Prinzip erkennen: Im Mittelpunkt steht die Witzstärke. Auf deftigen Spaß folgt feinsinniger Humor, sodass sich eine wellenförmige Struktur in der Ausstellung findet.69 Noch etwas ist zu beachten: "Wir haben ein eisernes Gesetz, das über uns schwebt: Keine Witzerklärung!"“, betont Achim Frenz. Zu den Bildern wird so wenig Information wie möglich angeboten, damit der Witz für sich selbst spricht. Anhand des Erfolges dieser Praxis lässt sich erkennen, dass die Karikaturen durch ihre Präsentation im Museum nichts von ihrem aktualitätsgebundenen Humor verloren haben. Doch das Museum für komische Kunst will mehr als sein Publikum zum Lachen zu bringen. Achim Frenz ist sich sicher: Wenn ein Besucher die Ausstellung ernst nimmt, dann "wird [er] anders wieder herausgehen, […] dann wird sich seine Sichtweise auch verändern." Die Ausstellung zeige, "dass man die Welt aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten kann und wir zeigen den absurden Blickwinkel". Unabhängig davon bereichert der Museumsbesuch auch auf andere Weise. Er habe noch nie jemanden gesehen, der traurig aus der Ausstellung gekommen sei – abgesehen von dem jungen Mann, der sich nicht komische, sondern kosmische Kunst erhofft hatte…

  1. Abbildung 5: Blick auf die bewegliche Wand im Erdgeschoss.
  2. Gernhardt, Der letzte Zeichner, S. 131.
  3. Siehe "to collect", "to conserve", "to exhibit", "to serve", in: Porter/Porter, Museum in Motion, S. 187, 217, 235 und 281.
  4. Achim Frenz, "Seit zwei Jahren auf der Welt. caricatura museum frankfurt", in: Historisches Museum Frankfurt (Hg.), Aura, Jahresgabe 2010/2011, S. 14–15, hier S. 15.
  5. Achim Frenz, persönliches Interview vom 11. Dezember 2013.
  6. Frenz, Seit einem Jahr auf der Welt, S. 17.

Abbildung5 70 Robert Gernhardt schrieb über Kunstmuseen, dass sie zu den ganz raren Orten zählten, an denen man den Glauben an die Menschheit gewinnen, beziehungsweise wiederfinden könne.71 Die Betreiber des Kunstmuseums versuchen ihr Bestes hierfür zu tun. Ein Museum hat die Aufgabe zu sammeln, zu konservieren, auszustellen und Hilfestellung zu geben.72 Das caricatura Museum nimmt diese Aufgaben für sich sehr ernst. Insbesondere dem letzten Aufgabenfeld widmen sie sich mit großer Hingabe. Regelmäßige Lesungen, ein Museumsshop mit über 400 Produkten,73 das Festival der Komik… Das caricatura Museum gestaltet ein interessantes Programm, das ihre Ausstellungen ergänzt und daran anknüpft. Als Satiremuseum sehen sie zudem die Notwendigkeit, aktuelle Themen zu kommentieren. Hier fällt auch die personelle Verbundenheit zur Titanic durch Achim Frenz als Mitherausgeber ins Gewicht. Er hält es für eine Museumsaufgabe, die Gesellschaft zu kommentieren. "Wir sind dicht dran, wir schauen, was passiert, und reagieren darauf mit Pressemeldungen."74 Sie repräsentieren auf diese Weise, was sie in ihren Ausstellungen präsentieren: die Satire. Diese konservieren sie nicht nur durch Erhaltungsmaßnahmen der ihnen anvertrauten Bilder, sondern erhalten sie im Alltag am Leben – und das auf eine so gelungene Art, dass der Daily Telegraph schon das Ende des britischen Humormonopols befürchtet.75 Das Museum für Komische Kunst kann daher als Gegenbeweis für die weitverbreitete Vorstellung gedeutet werden, "museumsreif" bedeute "verstaubt". Achim Frenz sieht den Museumsbegriff generell ein wenig pragmatischer. "Museal ist immer so eine Sache. Wir sind ein Museum, ja. Wir bewahren, ja. Wir diskutieren auch, ja. Alles das machen wir. Aber [das Museum] ist eigentlich ein Haus, wo wir ein Dach haben, wo es nicht reinregnet und wo wir die Sachen, die die Künstler machen, ausstellen. Wir sind ein erfolgreiches Museum, denn die Menschen lieben dieses Museum und diese Kunst."

  1. Ebd.

So bleibt denn nur noch eine Frage zu klären. Der eingangs erwähnte Sinnspruch von den Elchen kann auf zahlreiche Arten interpretiert werden. Aber wie deutet ihn nun Achim Frenz? "Dass man irgendwann ein alter Sack wird und dass man vielleicht nicht mehr so kritisch mit den Dingen umgeht, wie man das in der Jugendzeit gemacht hat."76 Solange das Museum die Förderung der komischen Kunst und die Repräsentation der Satire weiterhin mit dem gleichen Elan betreibt, steht dies allerdings nicht so bald zu befürchten.

Bildnachweise: Abb. 1-6: Fotografien von Johanna Müser.

Dieser Text entstand im Rahmen des Seminars "Im Dienst der Gesellschaft. Die Geschichte Frankfurts als eine Geschichte seiner Museen" im WiSe 2013/14. Grundlage der gemeinsam zu entwickelnden und zu schreibenden Geschichten waren – waren die Museen der Moderne doch stets Institutionen von öffentlichem Interesse – sowohl historische Museumsführer wie Kommentare aus der Tagespresse der Zeit, Reiseberichte, in denen die Museen thematisiert werden, aber auch Archivalien aus dem Frankfurter Stadtarchiv. Methodisch flankiert wurde die Arbeit durch eine Auseinandersetzung mit aktuellen geschichtswissenschaftlichen Ansätzen der Museum Studies sowie der Geschichte des Sammelns. In der Zusammenschau sollen die Museumsgeschichten dann eine Geschichte Frankfurts als eine Geschichte seiner Museen ergeben. Johanna Müser studiert im 3. Fachsemester Fachjournalistik Geschichte an der Justus-Liebig-Universität Gießen.