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laboratorium für geschichte
  1. Zitiert nach Barbara Stambolis, Leben mit und in der Geschichte. Deutsche Historiker Jahrgang 1943, Essen 2010, S. 27.

"Meine Kollegen", so hat es der Geschichtsdidaktiker Bodo von Börries in einem wunderbaren Interviewprojekt, das eine Art Kollektivbiographie des Historikerjahrgangs 1943 versucht, in einem Gespräch angemerkt, "bringen im Proseminar bei, Historiker dürfen nie 'Ich' sagen. Ich halte das für eine speziell deutsche Marotte, die international lächerlich und intellektuell unbegründbar ist."1 Unter der Kategorie Stimmen soll gerade das 'Ich' der Interviewten hörbar werden - und dies über Einblicke in Ihre Schreib- und Denkprozesse wie über das geschichtswissenschaftliche Arbeiten ganz generell.

Auf der Suche nach den lächerlichen, bizarren und befremdlichen Dingen. Barbara Stollberg-Rilinger über "Des Kaisers alte Kleider"

Stimmen | | von Liebsch/Pelizäus

Als wir Barbara Stollberg-Rilingers Kapitel über die "Spaltung der Sakralgemeinschaft: Augsburg 1530" gelesen haben, da wussten wir noch nicht, dass sie für Des Kaisers alte Kleider in diesem Jahr mit dem nur alle drei Jahre verliehenen Preis des Historischen Kollegs geehrt werden würde. Die Art und Weise, wie sie darin die Bedeutung symbolisch-ritueller Handlungen in politischen Entscheidungssituationen analysiert, hat offenbar nicht nur uns begeistert. In ihrem Buch fokussiert sie insbesondere auf solche Situationen, in denen sich aus den immer wieder auftauchenden Symbol- und Rangkonflikten veritable Verfassungskonflikte entwickelten. Das spannende an ihrer Analyse, die einen Beitrag zur Kulturgeschichte des Politischen liefert: "Deutlich wird: Kommunikationsformen, Rituale und Symbole haben eine wesentliche Bedeutung für Politik und Gesellschaft." [...]

"Ich denke am besten, wenn ich schreibe." Thomas Großbölting über das Verfassen geschichtswissenschaftlicher Texte

Stimmen | | von Gräfenberg/Poos

Die gesamte Wissenschaftspraxis einer Disziplin auf wenigen Seiten möglichst umfassend darzustellen, erscheint auf den ersten Blick als eine unlösbare Aufgabe. Doch exakt dieser Herausforderung widmeten sich im Jahr 2010 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unterschiedlichster Disziplinen im Rahmen der "Jungen Akademie". Dafür ging die Gruppe der Frage nach, wann in der jeweils eigenen Disziplin neue Forschungserkenntnisse als erwiesen gelten. Dieser Problematik näherten Sie sich über sogenannte "Heureka"-Momente. Die Aufgabe, die Geschichtswissenschaft darzustellen, übernahm der Professor für Neuere und Neuste Geschichte am Historischen Seminar der WWU Münster – Thomas Großbölting. Der Münsteraner Historiker verfolgt in seinem Text eine eher unkonventionelle Herangehensweise an die Vorgabe, zeigt er doch auf, dass jenes Heureka-Erleben – sich in einem einzigen Moment verdichtende Erkenntnis – mit dem Erkenntnisgewinn der Geschichtswissenschaft nichts gemein hat. [...]

"Zwischen Drittmitteltöpfen und der Suche nach Erkenntnis." Auf dem Weg zu neuen Universitätsidealen. Ein Interview mit dem Mittelalter-Historiker Martin Kintzinger

Stimmen | | von Oelert/Lassotta

Die bürokratisierten Massenuniversitäten der heutigen Zeit bringen nicht nur für die Studierenden massive Veränderungen wie die Modularisierung der Studiengänge mit sich. Auch die Professorinnen und Professoren werden unter anderem durch Drittmittelanträge und Gutachten immer stärker in die administrativen Strukturen mit eingebunden. Dabei kommen nicht nur die Forschungsvorhaben und Chancen zu persönlicher Begegnung mit den Studierenden zu kurz, sondern auch die vielfältigen Möglichkeiten, Lebensorientierung zu schaffen. [...]

"Grau-Stufen der deutsch-deutschen Geschichte." Christoph Lorke über Licht und Dunkel und die Doppelmoral eines Regimes

Stimmen | | von Piccin/Stauvermann

Die kurze Halbwertszeit der DDR wurde in der Geschichtswissenschaft bislang zu sehr aus einer Schwarz-Weiß-Sicht betrachtet, eine ausreichende Differenzierung sei noch nicht erfolgt. So jedenfalls argumentiert der Historiker Christoph Lorke der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Durch die Erzählungen seiner Familie und aus seinen eigenen Erinnerungen liefert er einen besonderen Blickwinkel auf die Geschichte. [...]

Vom Nutzen und Nachteil der Geschichte für das Leben. Matthias Pohlig über philosophische Köpfe, Wahrheitssuche und Spielverderber

Stimmen | | von Scholten/Schlegel

Die Geschichte als Lehrmeisterin für das Leben? Das war einmal. Während man früher im ciceronischen Sinne an den Vorbildcharakter der Historie für die eigene Gegenwart glaubte, ist dieses Bild seit dem 19. Jahrhundert zwiespältig. Heute steht dem Boom historischer Ausstellungen und der Beliebtheit von Geschichtssendungen mehr denn je die Frage nach dem Sinn der Beschäftigung mit Geschichte gegenüber. [...]

Barbara Stollberg-Rilinger zwischen den Stühlen: Wie sich Lehre und Forschung in der Geschichtswissenschaft mehr und mehr verlieren

Stimmen | | von Ammermann/Ipek

Die Bologna-Reform hat das Studium tiefgreifend verändert – jedoch nicht nur zum Positiven. Die Studierenden werden dazu verpflichtet in Modulen zu studieren, können ihre Veranstaltungen nicht mehr allein frei nach ihrem Interesse wählen. Viele Studiengänge sind überlaufen, Kontakte zwischen Professoren und Studierenden sind rar. Zu diesen Auswirkungen nimmt Barbara Stollberg-Rilinger, Historikerin an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, Stellung. [...]

Mittelalterliche Geschichte als Orientierung für die Gegenwart. Torsten Hiltmann über Universität und Mediävistik in Deutschland und in Frankreich im Vergleich

Stimmen | | von Wiethe/Schubert

Das Mittelalter erlebt in Deutschland in den letzten Jahren eine Renaissance. Das Interesse steigt, doch welche Inhalte werden eigentlich vermittelt? Und was könnten Schülerinnen und Schüler vom Mittelalter lernen? Dr. Torsten Hiltmann, der am Historischen Seminar der Westfälischen-Wilhelms Universität Münster ein Forschungsprojekt auf einer von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanzierten eigenen Stelle leitet, unterbreitet neue, interessante Ansätze, was uns das Mittelalter bringt. [...]

"Bildungsfernsehen sollte auch bilden!" Ein Gespräch mit Oliver Näpel über Chancen und Probleme von Geschichte im TV

Stimmen | | von Budkiewitz/Rüschenschmidt

Geschichte boomt. Neben erfolgreichen Museumsausstellungen werden Geschichtsthemen auch als Aufhänger für Drehbücher und Romane vermarktet und sind aus dem Alltag kaum mehr wegzudenken. Dabei decken sich die Darstellungen nicht immer mit den Wünschen der Geschichtswissenschaft und der Geschichtsdidaktik, sondern unterliegen eher den Regeln des Fernsehens. Über Folgen, Probleme und Chancen dieser populären Darstellungsformen ist Dr. Oliver Näpel bestens im Bilde. [...]